Faser-Muskel-Schmerz

Was ist Fibromyalgie?

Was ist Fibromyalgie?

Bei der Fibromyalgie handelt es sich um eine Erkrankung, die durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen gekennzeichnet ist. Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie „Faser-Muskel-Schmerz“. Lange Zeit lag in der medizinischen Sichtweise der Erkrankung der Fokus auf dem generalisierten Schmerz. Tatsächlich zeigte sich allerdings, dass Betroffenen zusätzlich auch viele weitere diffuse Beschwerden zu schaffen machen. Da die Symptome recht schwer zu greifen sind und auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können, dauert es oft sehr lange, bis die richtige Diagnose gestellt ist. Dann empfinden es viele Betroffene sogar als entlastend, endlich Klarheit zu haben – denn dann hat ihr Leiden einen Namen.

Eine Erkrankung, viele Namen

Obwohl die Fibromyalgie keine rheumatische Erkrankung im engeren Sinne ist, wird sie oft als „Weichteilrheuma“ bezeichnet. Heute weiß man, dass der Erkrankung kein entzündliches oder rheumatisches Geschehen zugrunde liegt, sondern primär eine Störung der Schmerzempfindung und der Schmerzverarbeitung besteht. Deshalb wird oft auch kritisiert, dass die Bezeichnung Fibromyalgie irreführend ist: Sie suggeriert, dass die Muskulatur Ausgangspunkt der Probleme sei.

Mediziner verwenden in der Regel den Begriff „Fibromyalgiesyndrom“ (FMS). Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass sich die Erkrankung durch ein Symptommuster – also das gleichzeitige Vorliegen verschiedener Krankheitszeichen – zeigt.

Fibromyalgie Kernsymptome

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Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen

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Schlafstörungen bzw. nicht erholsamer Schlaf

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Müdigkeit bzw. Erschöpfungsneigung

Wie häufig ist die Fibromyalgie?

In Österreich leiden ungefähr 2 Prozent der Bevölkerung an Fibromyalgie. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Bei Frauen wird die Erkrankung deutlich öfter festgestellt als bei Männern. Sie sind vier- bis sechsmal häufiger betroffen als Männer. Dennoch ist Fibromyalgie keine Frauenkrankheit. Vielmehr wird vermutet, dass Männer schlichtweg „unterdiagnostiziert“ sind, weil sie bei entsprechendem Beschwerdebild seltener ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Die verschiedenen Gesichter der Fibromyalgie

Fibromyalgie-Patienten klagen oft über Muskelschmerzen am ganzen Körper. Aber auch Gelenkbeschwerden, Schlafstörungen sowie starke Müdigkeit und Erschöpfung sind typisch.

Die Hauptsymptome des Fibromyalgie-Syndroms sind:

  • chronische Muskel- und Gelenkschmerzen in mehreren Körperregionen
  • Schlafstörungen
  • starke Müdigkeit, allgemeine Erschöpfungszustände.

Zusätzlich können zahlreiche weitere körperliche und psychische Symptome auftreten. Bis zu 150 verschiedene Symptome konnten bisher in Verbindung mit der Erkrankung beobachtet werden. Dazu zählen zum Beispiel Konzentrationsprobleme, Ängstlichkeit, Depressionen, Magen-Darmstörungen, Kälteempfindlichkeit, verstärktes Schwitzen oder ein Steifigkeitsgefühl in Händen und Füßen. Daraus ergibt sich, dass die Fibromyalgie mit ganz verschiedenen Beschwerdebildern in Erscheinung treten kann. Zudem sind die Symptome sehr unspezifisch und treten bei vielen anderen Erkrankungen auch auf. Genau das sind die wesentlichen Ursachen dafür, dass Betroffene oft einen langen Leidensweg hinter sich haben, bis die Erkrankung endlich erkannt wird.

Gut zu wissen: Gut zu wissen:

Die vielen psychischen Begleiterscheinungen, die im Rahmen des Fibromyalgiesyndroms auftreten können, sind oft eine Folge der chronischen Schmerzen.

Betroffene schildern immer wieder, dass sich „gute“ und „schlechte“ Phasen abwechseln. Diese Schwankungen lassen sich oft auch im Verlauf des Tages beobachten.

Mehr über die Symptome

FMS Was ist Fibromyalgie?

  • Chronische Erkrankung
  • Wörtliche Übersetzung: „Faser-Muskel-Schmerz“
  • Fibro = Faser (lat. Fibra)
  • Myo = Muskel (gr. Myos)
  • Algie = Schmerz (gr. algos)
  • Kernsymptome: Generalisierte Schmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung
  • Betroffene reagieren stärker auf Schmerzreize und haben eine niedrigere Schmerzschwelle als Gesunde

Ursachen der Erkrankung

Die Ursachen für das Fibromyalgie-Syndrom sind bis heute nicht vollständig erforscht. Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren (Gene, körperliche und psychische Faktoren) bei der Entstehung der Erkrankung zusammenwirken. Bei Betroffenen liegen offenbar Störungen in verschiedenen Bereichen des Nervensystems vor. So scheint das Schmerzgedächtnis gewissermaßen falsch „programmiert“ und die Schmerzverarbeitung im Gehirn gestört zu sein. Auch die Schmerzschwelle ist bei Betroffenen niedriger als bei Gesunden.

Neues aus der Wissenschaft: Neues aus der Wissenschaft:

Forschern am Universitätsklinikum Würzburg gelang es 2013 erstmals, einen organischen Befund bei Fibromyalgie-Patienten nachzuweisen: Sie konnten zeigen, dass bei Betroffenen eine Schädigung der kleinen Nervenfasern (small fibres) vorliegt.

Mehr über die Ursachen

Was hilft bei Fibromyalgie?

Die Fibromyalgie kann nach derzeitigem Wissensstand nicht geheilt werden. Doch die Symptome lassen sich oft durch verschiedene Maßnahmen langfristig lindern. Da das Beschwerdebild sehr unterschiedlich sein kann, gibt es nicht die eine Therapie bei Fibromyalgie. In der Regel kommen verschiedene Behandlungsbausteine zum Einsatz, die im Einzelfall individuell zusammengestellt werden. Dabei werden meist körperbezogene Verfahren (z. B. moderates Ausdauertraining) mit psychotherapeutischen Maßnahmen (z. B. Verhaltenstherapie) kombiniert. Eine medikamentöse Therapie kommt bei Fibromyalgie in der Regel zeitlich befristet zum Einsatz.

In Österreich ist derzeit kein Medikament speziell für die Behandlung der Fibromyalgie zugelassen. Einige Wirkstoffe, die eigentlich bei anderen Erkrankungen zum Einsatz kommen, werden dennoch empfohlen und im sogenannten „Off-label-use“ angewendet. Für gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure gilt eine Negativempfehlung, sie sollen nicht eingesetzt werden.

Mehr über die Behandlung

Wichtig: Wichtig:

Fibromyalgie ist keine eingebildete Krankheit. Es handelt sich um ein international anerkanntes Krankheitsbild.

Fibromyalgie: Druckpunkte Was sind Tender-Points?

Bei den sogenannten Tender Points („Druckpunkte“) handelt es sich vorwiegend um Stellen, die sich am Übergang von den Muskeln zu den Sehnen befinden. Im Rahmen der Diagnosestellung prüft der Arzt, wieviele der 18 definierten Tender Points auf Druck schmerzhaft reagieren.

Alle Tenderpoints bei Fibromyalgie in einer anschaulichen Grafik

Tipps bei Fibromyalgie

Ausdauer- und Krafttraining
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Ausdauer- und Krafttraining

Als Maßnahme mit dem größten Nutzen empfehlen Experten ein regelmäßiges, aber niedrig dosiertes Ausdauer- und Krafttraining. Egal ob Walking, flottes Spazierengehen, Aquajogging oder Fahrradfahren – zwei- bis dreimal pro Woche sollte für etwa 30 Minuten „trainiert“ werden. Wichtig ist dabei, dass Sie auf eine geringe bis mittlere Trainingsintensität achten. Ein erfahrener Trainer oder Physiotherapeut kann Sie bei der Zusammenstellung eines individuellen Bewegungsprogramms unterstützen.

Vorsicht bei Schmerzmitteln
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Vorsicht bei Schmerzmitteln

Von antientzündlichen Schmerzmitteln wird bei Fibromyalgie abgeraten. Zu dieser Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika zählen die klassischen Schmerzwirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Ibuprofen. Diese Schmerzmittel sind weder sinnvoll noch notwendig, da bei Fibromyalgie keine Entzündung zugrunde liegt.

Nach Rücksprache mit dem Arzt können insbesondere bei einem starken Schub der Erkrankung andere Schmerzmittel sinnvoll sein. Grundsätzlich sollten sie jedoch nur sparsam und zeitlich befristet zum Einsatz kommen.

Meditative Bewegungstherapien
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Meditative Bewegungstherapien

Tai-Chi, Qi-Gong oder Yoga – diesen fernöstlichen Bewegungstherapien werden zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit und unser Wohlbefinden zugeschrieben. Auch bei Fibromyalgie werden diese körperbezogenen Verfahren sehr empfohlen.

Schmerztagebuch mal anders
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Schmerztagebuch mal anders

Ständig Schmerzen – das ist der Alltag vieler Fibromyalgie-Patienten. Um mögliche Auslöser zu identifizieren, führen Betroffene mitunter ein Schmerztagebuch und notieren die Beschwerden. Neue Erkenntnisse weisen allerdings darauf hin, dass Betroffene von einer anderen Herangehensweise profitieren können: Und zwar, indem der Fokus weg vom Schmerz hin zu erfreulichen Tätigkeiten gelenkt wird. Dokumentieren Sie doch einmal in einem Tagebuch alle positiven Ereignisse, z. B. „Heute bin ich ausgeruht aufgestanden“, „Heute hatte ich keine Schmerzen“ oder „Heute war ich mit Freunden im Biergarten“.

Schlafräuber entlarven
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Schlafräuber entlarven

Fibromyalgie-Patienten haben oft auch mit Schlafstörungen und Müdigkeit zu kämpfen. Umso wichtiger ist es, mögliche Schlafräuber zu entlarven und Abhilfe zu schaffen. Wer zum Beispiel keine festen Zubettgeh-Zeiten einhält oder abends noch E-Mails oder Telefonate beantwortet, findet oft schlecht in den Schlaf. Kleine Abendrituale können dabei helfen, in den Schlummermodus zu kommen. Außerdem lohnt es sich, das Schlafzimmer unter die Lupe zu nehmen und Störfaktoren wie eine zu warme Zimmertemperatur oder eine nicht ausreichende Abdunkelung des Schlafzimmers zu beseitigen.

Aktiv am Leben teilnehmen – trotz Schmerzen
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Aktiv am Leben teilnehmen – trotz Schmerzen

Auch ein aktiver Alltag kann Patienten mit Fibromyalgie helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von „psychosozialer Aktivierung“. Damit ist gemeint, dass zum Beispiel ein regelmäßiger Austausch mit Freunden oder Verwandten, die Pflege eines geliebten Hobbys oder das Erlernen einer Fremdsprache positive Effekte zeigt und Betroffene von innen heraus gegen die Schmerzen stark machen kann. Gerade dann, wenn der Schmerz zum ständigen Begleiter geworden ist, ist es oft schwer, den Blick auf die eigenen Kraftquellen zu lenken – aber es lohnt sich.

Wichtig: Wichtig:

Akzeptieren Sie Ihre Erkrankung und entwickeln Sie Ihr eigenes „Wohlfühlprogramm“. Finden Sie heraus, was Ihrem Körper und Ihrem Geist gut tut.

Patienten-Schulung
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Patienten-Schulung

Betroffenen wird empfohlen, an einer speziellen Fibromyalgie-Schulung teilzunehmen. Meist wird ein solches Kursprogramm von Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten begleitet. Neben der Aufklärung zum Krankheitsbild und möglichen Behandlungsverfahren liegt ein wesentlicher Schwerpunkt darin, Patienten Strategien an die Hand zu geben, wie sie in Alltag, Familie und Beruf besser mit ihrer Erkrankung umgehen können.

Fibromyalgie Negative Einflussfaktoren

Einige Faktoren begünstigen eine Verschlimmerung der Schmerzen und können einen Fibromyalgie-Schub auslösen. Dazu zählen:

  • Stress (z. B. Überbelastung, Konflikte, Krisensituationen)
  • Bewegungsmangel
  • Depressionen
  • Schlafmangel
  • Körperliche Überbelastung oder Fehlbelastung
  • Wetterwechsel
  • Feucht-kaltes Klima

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